Steilhänge und Burgruinen

Bei der Terroir Series Vol. 3 - Pfalz haben wir eingangs noch geschrieben, dass uns manche Themen beim Schreiben locker von der Hand gehen. Dieses hier ist definitiv nicht so eins. Der Weinbau in unserem Nachbarland ist aus beruflicher Sicht für uns auch Neuland, auch wenn wir natürlich über die Jahre viele spannende und nicht so spannende Weine von dort verkostet haben und man so die groben Charakteristika auch kennt. Dieser Wachau Deep-Dive hier ist genau das Gleiche also auch für uns. Und wir freuen uns drauf. Legen wir also mal los.

Die Wachau ist eine wirklich kleine Region, die sich auf knapp 30 Flusskilometern die Donau entlang zieht. Im Prinzip direkt nord-westlich von Wien. Das Besondere: Dieser Abschnitt ist ungemein bergig und erinnert aufgrund seiner oftmals terrassierten Weinberge und der alten Burgruinen im Entfernten an unsere Mosel. Klima und Böden unterscheiden sich jedoch immens und im Vergleich zur Mosel besitzt das Gebiet auch nur etwa 1/4 der Rebfläche. Auf den 1350 ha wachsen vor allem die autochthone Rebsorte Grüner Veltliner und - jetzt kommt's - Riesling. Der Veltliner steht meistens, nicht immer, in den flacheren Flusslagen auf den reichhaltigen Lössböden, während der Riesling oftmals in den höheren, kargeren granitgeprägten Lagen zu finden ist, da dieser einfach besser mit nährstoffärmeren, trockeneren Weinbergen klar kommt. Diese können sich mitunter auf bis zu 500m ü. NN. die Berge hinaufziehen, was für Wein schon eine beachtliche Höhenlage darstellt.

Klimatisch lässt sich die Wachau schwierig einordnen, es kann innerregional aufgrund der Höhenunterschiede und der Entfernung zur Donau zu recht großen Unterschieden kommen. Grundsätzlich gilt die Wachau als Cool Climate Region, wobei der östliche Teil aufgrund kontinentaler Luftströmungen wärmer ist als der westliche Teil. Hier, im Westen, befinden sich die Weinberge des Spitzer Graben, wo die Grabenwerkstatt ins Spiel kommt. Doch dazu später mehr, wir wollen noch kurz ein paar Worte über Wachau-Weine verlieren.

Wir, als Riesling-Freaks, lieben Säure, Struktur, Finesse und Mineralität. Die Rieslinge der Wachau zeichnen sich idR. jedoch eher durch eine gewisse Opulenz und hohe Alkoholwerte aus, was absolut nicht unser Style ist. Diese Stilistik ist aus unserer Sicht auch aus der Zeit gefallen. Das Gleiche gilt auch für den Veltliner. Sicher hat all das noch seine Fans und somit eine Daseinsberechtigung, doch zu diesen Fans zählen wir uns schlicht und ergreifend nicht. Es gab aber schon immer gute Weine in der Wachau, hier sitzt bspw. das älteste Weingut Österreichs, der Nikolaihof, wo bereits seit 777 Wein gemacht wird, sowie Franz Hirtzberger. Beide Betriebe sind weit über die Region hinaus bekannt. Doch auch hier wurden bis vor gar nicht allzu langer Zeit eher mächtige Weine produziert. Langsam wird aber auch bei diesen Betrieben alles etwas schlanker. Womit wir zur Grabenwerkstatt kommen...


All die oben genannten Charakteristika über die Wachau überschneiden sich in einem Weingut: Der Grabenwerkstatt. Der Betrieb, hinter dem der Wachauer Franz Hofbauer und der waschechte Pfälzer Michael Linke stecken, erzeugt Weine hauptsächlich im Spitzer Graben, der kühlsten Gegend der Wachau. Die beiden bewirtschaften auch die höchsten Weinberge der Region, u.a. die Ried Trenning, die sich bis auf 500 Höhenmeter den Berg hinauf zieht.

Die beiden haben sich vollkommen den beiden Rebsorten Grüner Veltliner und Riesling verschrieben, passt ja auch irgendwie. Alle Parzellen werden nach biodynamischen Kriterien in reiner Handarbeit bewirtschaftet, hier wird keine Maschine reingelassen. Denn die beiden sind - und das völlig zu Recht - der Auffassung, dass großer Wein im Weinberg entsteht. Wenn man es da verbockt oder nicht penibel genug arbeitet, kann man es auch im Keller nicht mehr retten. Höchstens maskieren, doch das wird hier unter keinen Umständen gemacht. Denn so würde die Herkunft und Identität der Weine verloren gehen. Sympathisch, oder?

Die Weine der beiden sind immer in kürzester Zeit ausverkauft und es ist als Händler sehr schwer, an eine nennenswerte Allokation zu kommen. Wir hatten das Glück, die beiden in unserem Podcast HALBVOLL begrüßen zu dürfen (Folge 18 vom 01.03.) und kamen so über Sympathie noch an ein bisschen Veltliner. Die Rieslinge der beiden kommen dann mit dem nächsten Jahrgang ebenfalls zu uns.