Es gibt Weine, die einem sofort klar machen, womit man es zu tun hat. Der Ganz Horn 2019 ist so einer. Keine Umwege, keine Schmeichelei — nur dieser eine, geradlinige Zug, der von der Nase bis in den langen Abgang trägt. Stuart Pigott nannte es die gerade Linie des bekannten Universums. Übertrieben? Kaum.
Die Lage Ganz Horn ist eine wiederentdeckte Geschichte. Nach der Weingesetznovelle 1971 verschwand das alte Ganshorn in der Großlage Im Sonnenschein. Hansjörg Rebholz hat die Parzelle zurückgeholt — seit 2007 läuft die Crème aus diesem Hangschotter aus Buntsandstein, Kies, Lehm und Sand unter eigenem Namen. 2019 war für deutschen Riesling ein außergewöhnliches Jahr: Tiefe, Konzentration, und trotzdem diese Frische, die man in solchen Jahrgängen selten bekommt.
In der Nase salzig-mineralisch, fast steinig — Kiesel, weißer Pfirsich, reife Zitrusfrucht, eine florale Note, die alles zusammenhält. Puristisch, aber niemals karg.
Am Gaumen dann diese Spannung, die den Wein antreibt: knochentrocken, lebendig, eine Säure die zieht ohne zu kratzen, Mineralität die sich durch alles durchfrisst. Die Länge ist bemerkenswert. Man trinkt, wartet, und der Wein ist immer noch da.
Ein Großes Gewächs, das genau das einlöst, was der Name verspricht. Noch viele Jahre vor sich.