Der Einstieg ganz oben
Das Weingut Keller aus Flörsheim-Dalsheim ist, objektiv bewertet, das derzeit beste Weingut Deutschlands in Sachen Riesling. Aber um die großen, teils sehr raren Rieslinge des Hauses soll es heute nicht gehen. Heute geht es um die Weine, die man auch so kaufen kann - bis sie aus sind.
Die Einstiegsweine des Jahrgangs 2025 sind bei Keller keine Resteverwertung, kein Kompromiss und kein Alibi-Sortiment. Es sind Weine, die aus denselben Kalkstein-Lagen stammen, in denen die Großen Gewächse stehen - nur eben von jüngeren Reben und mit einem anderen Ziel: sie wollen nicht monumental sein, sondern Freude bereiten. Sofort, ohne Wartezeit, ohne Dekanter, ohne großen Aufriss.
Das Weingut, seit 1789 in Flörsheim-Dalsheim, seit zehn Generationen in Familienhand, und seit Klaus Peter Keller mit seiner Frau Julia im Jahr 2001 das Ruder übernahm, hat sich das Gut in einen internationalen Maßstab verwandelt, an dem sich andere messen lassen müssen. Der Gault&Millau ernannte ihn zum bisher einzigen "Winzer des Jahrzehnts." Jancis Robinson sagte, wenn sie nur einen einzigen Wein wählen dürfte, um zu erklären, wie groß trockener, deutscher Riesling geworden ist, würde sie ein Keller GG nehmen - und Klaus Peter Keller beliefert das englische Königshaus. Das alles klingt weit weg von zwei Weinen unter 30 bzw. einem unter 40 Euro. Ist es aber nicht - und das ist das Entscheidende.
Der Limestone Kabinett 2025 kommt aus Parzellen der VDP.Großen Lagen Kirchspiel und AbtsE, zwei der berühmtesten Großen Lagen des Guts, geprägt von Böden mit dem höchsten Kalksteinanteil ganz Rheinhessens. Klaus Peter vinifiziert hier bewusst leichter, tänzerischer, mit einer zarten Restsüße, die sich nicht aufdrängt, aber alles zusammenhält. Das Ergebnis ist ein Kabinett mit einer Frische und Leichtigkeit, die spätestens nach dem zweiten Glas süchtig macht - und mit einer Tiefe, die man bei unter zehn Prozent Alkohol nicht erwartet.
Der Von der Fels Riesling 2025 ist Klaus Peter Kellers eigener Liebling für den Alltag - sein Zechwein, wie er ihn selbst nennt. Trocken, direkt, mit einer klaren mineralischen Linie, die vom Kalkstein des Hubackers und der umliegenden Lagen kommt. Einfach aufmachen, einschenken und sich kurz ärgern, dass man nicht zwei Flaschen mehr bestellt hat.
Der Weißer Burgunder & Chardonnay 2025 ist der stille Überflieger im Trio. Keller ist so sehr als Riesling-Adresse bekannt, dass dieser Wein oft übersehen wird - zu Unrecht. Von denselben Kalkstein-Böden und in alten Holzfässern ausgebaut. Präzise, kühl und mit einer burgundischen Finesse, die in Deutschland nur wenige Winzer beherrschen. Kein Holz im Vordergrund, keine Schwere, dafür Mineralität und eine cremige Textur, die lange nachhallt.
2025 war in Rheinhessen ein sehr guter Jahrgang. Ausgewogen, mit reifer Frucht und präziser Säure. Bei einem Weingut wie Keller bedeutet das: Die Einstiegsweine spielen in einer Liga, die anderswo niemand Einstieg nennen würde.