Die Südpfalz, bevor sie cool war

Dass die Südpfalz heute eine der spannendsten Weißwein-Regionen Deutschlands ist, ist zwischen vielen Ohren noch nicht angekommen.

Vor dreißig, vierzig Jahren war die Gegend südlich von Landau vor allem eins: Lieferant für Masse. Literweine, Genossenschaften, ordentlich aufgezuckerte Ware für den Supermarkt. Dass heute niemand mehr so über die Südpfalz spricht, hat die Region zu einem erheblichen Teil einem einzigen Mann zu verdanken: Hansjörg Rebholz.

Während um ihn herum aufgezuckert, entsäuert und geschönt wurde, hat Hansjörg in Siebeldingen stur an einem Prinzip festgehalten, das schon sein Großvater Eduard geprägt hatte: In den Wein kommt nur, was die Natur hergibt. Keine Anreicherung, keine Säurekorrektur, keine Kosmetik. Wenn der Jahrgang karg war, war der Wein eben karg. Das klingt heute nach Selbstverständlichkeit - damals war es im Prinzip pure Provokation. Rebholz-Weine galten lange als sperrig, kompromisslos, anstrengend. Und genau deshalb haben sie irgendwann alle anderen alt aussehen lassen. Der Kastanienbusch wurde zur international bekannten Lage, das Weingut zur Referenzadresse und plötzlich wollte eine ganze Generation junger Südpfälzer Winzer so arbeiten wie der Mann aus Siebeldingen. 2024 wurde Hansjörg, 65 Jahre nach seinem Großvater, selbst zum Ökonomierat ernannt. Wenn ein Titel je verdient war, dann dieser.

Und jetzt kommt der Teil, der uns aktuell am meisten begeistert: die nächste Generation. Mit Hans und Valentin stehen die beiden Söhne längst mitten in der Verantwortung - und die Weine werden dadurch nicht einfach weitergeführt, sie werden noch besser. Feiner, präziser, zeitgemäßer. Wo früher manchmal pure Kraft und Kompromisslosigkeit standen, steht heute Eleganz mit demselben Rückgrat. Vor allem die Rieslinge haben in den letzten Jahrgängen nochmal spürbar an Finesse zugelegt. Das ist der seltene Fall eines Generationenwechsels, bei dem nichts verloren geht und trotzdem alles in Bewegung bleibt.

Wie gut Rebholz ist, zeigt gerade ein Wein, den wir euch besonders ans Herz legen wollen: der Frankweiler Biengarten Riesling 1G 2016. Der Biengarten ist ein Sonderling am Haardtrand - Südhang, 200 Meter hoch gelegen, purer Muschelkalk. 2016 war kein Angeber-Jahrgang, sondern einer, der einfach seine Arbeit gemacht hat: reife, gesunde Trauben, Säure die trägt statt gegen den Konsumenten kämpft. Nach fast zehn Jahren Flaschenreife steht der Wein jetzt genau da, wo man ihn haben will: der lagentypische Rauchton in der Nase, darunter reife gelbe Frucht, am Gaumen saftig, rund, mit dieser salzigen Kalk-Mineralität, die einem keine Wahl lässt und immer nach dem nächsten Schluck verlangt. Perfektes Trinkfenster, kein Konjunktiv. Gereifter Spitzen-Riesling von einer der besten Adressen des Landes. Und Burgunder ohne burgundisches Vorbild können die Jungs übrigens auch.