Feuer unter Rheinhessen

Rheinhessen. Die größte Weinbauregion Deutschlands. Viel Fläche, viel Wein, viel Mittelmaß. Wer das denkt, liegt grundsätzlich nicht komplett falsch – aber es gibt, wie wir alle wissen, ja mittlerweile auch viele Spitzenbetriebe. Einer davon ist Wagner-Stempel.

Das, was Daniel Wagner in Siefersheim im nördlichen Rheinhessen macht, hat mit dem Image dieser Region herzlich wenig zu tun. Hier wachsen die Reben nicht auf den für Rheinhessen so typischen Löss- und Kalkböden, sondern auf etwas, das in dieser Gegend eine echte Seltenheit ist: vulkanischem Gestein. Rotliegend, Porphyr, verwittertes Vulkangestein – das klingt eher nach Nahe oder Kaiserstuhl, aber nicht nach Rheinhessen. Genau das ist das Besondere, so absurd das auch klingen mag.

Vulkanische Böden sind für Reben eine echte Herausforderung. Sie sind karg, wärmen sich schnell auf, geben kaum Nährstoffe und zwingen die Wurzeln somit, tief zu wurzeln. Das Ergebnis sind Weine mit Spannung, mit einer mineralischen Griffigkeit, die kaum nachzuahmen ist. Die Reben arbeiten hart. Und das spürt man in der Energie der Weine. Die Weine von Wagner-Stempel sind fundamental anders sind als alles andere aus dieser Region.

Die VDP.Große Lage Siefersheimer Heerkretz ist das Herzstück von Wagner-Stempel und eine der aufregendsten Einzellagen in ganz Deutschland. Südexponiert, steil, auf tief verwittertem Porphyr. Die Böden hier sind so durchlässig und hitzeleitend, dass man sich eigentlich in einer anderen Klimazone wähnt. Dabei sorgt die Höhenlage für kühle Nächte und lange Vegetationszeiten – genau die Kombination, die man für Riesling mit Rückgrat braucht. Was aus dem Heerkretz kommt, ist großer Riesling. Keine andere Formulierung wäre hier zulässig. Die Weine haben eine Dichte, die nicht schwer wirkt, eine Frucht, die von einer rauchig-würzigen Mineralität durchzogen wird und einen spannungsgeladenen Säurenerv, der noch in zwanzig Jahren für Gänsehaut sorgen wird. Übrigens nicht nur beim Riesling, sondern auch beim Spätburgunder.