Grüner Sand als Vermächtnis
Der Name der Domaine ist Programm und Erklärung zugleich. Sables Verts – grüner Sand. Wer einmal durch die besten Weinberge von Saumur-Champigny gelaufen ist, hat diesen besonderen Sand unter den Füßen schimmern sehen: eine grünliche, mineralreiche Schicht aus verwittertem Sandstein, die über Ton-Kalkstein liegt und auf dem berühmten Tuffstein der Loire sitzt. Böden, die Wärme speichern, aber nie überhitzen, die Feuchtigkeit halten, aber nie stauen. In den tief liegenden Tuffstein-Fels hat man schon vor Jahrhunderten Keller gehauen, die seit jeher konstant Temperatur und Luftfeuchtigkeit halten – und in denen man Weine lagern kann, die genau das brauchen. Das ist kein Marketing-Terroir. Das ist Geologie.
Caroline Meurée und ihr Mann Hervé Maligne haben sich 2019 in dieses Abenteuer gestürzt – zwei Quereinsteiger mit Stationen in Bordeaux, Saint-Émilion, Burgund und Mas Amiel in Roussillon, die ein 16,5 Hektar großes Weingut in 33 Einzelparzellen übernommen haben. Reben mit einem Durchschnittsalter von 40 Jahren. Keine Familie im Hintergrund, kein geerbtes Netzwerk, kein langer Anlauf. Nur Überzeugung, Handwerk und die Erkenntnis, dass sie sich ausgerechnet in einer der bedeutendsten Weinlagen Frankreichs niedergelassen haben. Ihre Nachbarn heißen Clos Rougeard, Thierry Germain und Antoine Sanzay. Da kann man fast nur ehrfürchtig werden. Doch die beiden haben diese Herausforderung angenommen.
Heute, nach noch nicht einmal zehn Jahren im Betrieb, sorgen die Weine bereits für internationales Aufsehen, das weit über die Preisklasse hinausgeht, in der wir uns hier bewegen. Das liegt sowohl an Caroline und Hervé – aber sicherlich auch daran, was unter ihren Füßen liegt.
Der "Les Rouères" Chenin Blanc kommt von Carolines und Hervés einziger weißer Parzelle – einem Hektar auf Ton-Kalk-Boden. Natürlich spontan vergoren und zwölf Monate auf der Feinhefe ausgebaut in großen Holzfässern. Was daraus entsteht, hat diese für guten Chenin typische Spannung zwischen Fruchtfülle und knochiger Kühle: gelber Pfirsich, Mirabelle, Honigwabe, ein Hauch Wachs, darunter eine frische, mineralische Straffheit, die alles zusammenhält. Ein Weißwein, der sich sicherlich noch entwickeln wird, aber auch schon jetzt fasziniert.
Und dann ist da "Les Poyeux". Die Lage muss man kurz erklären, weil ihr Ruf alles andere überstrahlt. "Les Poyeux" wurde erstmals 1664 urkundlich erwähnt. Es ist eine sanft geneigte Hügelkuppe in Chacé mit grünem Sand über Ton-Kalkstein und Tuffstein – genau das Terroir, das Cabernet Franc braucht, um Finesse statt rohe Gewalt zu produzieren. Diese Lage ist vor allem durch Clos Rougeard weltberühmt geworden: Die Brüder Nady und Charly Foucault haben aus dieser Lage über Jahrzehnte einen Wein gemacht, der zu den begehrtesten und seltensten der Welt gehört – nur per Zuteilung, fast ausschließlich an Restaurants in Frankreich, nahezu unauffindbar auf dem freien Markt. 1993 gewann ihr Le Bourg eine Pariser Blindverkostung gegen die besten Pomerol-Weine der Welt, was die Loire-Szene schlagartig veränderte. Clos Rougeard ist Kult – und "Les Poyeux" ist eine der Grundlagen dieses Kults.
Caroline und Hervé bewirtschaften zwei Hektar dieser Lage. Das ist keine Selbstverständlichkeit, und man merkt, dass sie das auch wissen.
Der "Les Poyeux" Cabernet Franc von Sables Verts durchläuft 22 Tage Mazeration, reift dann 18 Monate teils in Sandsteinamphoren, teils in alten Barriques aus dem Château Latour und teils im Edelstahl. Kein pompöser Ausbau, kein Holz als Statement – sondern eine Vinifikation, die dem Terroir den Vortritt lässt. Was ins Glas kommt, ist ein Cab. Franc von fast schon seidiger Textur, violetter Frucht, feiner Kräuterwürze und einem langen, mineralischen Abgang. Nicht laut, nicht schwer – präzise und tief. Genau das, womit diese Lage seit 1664 assoziiert wird.
Die Domaine überzeugt schon jetzt in ihrer Jugend - in zehn Jahren wird sie in einer anderen Liga spielen. Also probiert die Weine im Laufe der Jahre und begleitet diese sicherlich irre spannende Entwicklung. Wir jedenfalls sind dabei.