Von Hinrichtungen und schwarzen Böden
Zugegeben: Die Überschrift klingt etwas makaber, aber die Geschichte ist nunmal wie sie ist. Der Sage nach wurden 454 n. Chr. christliche Mönche auf dem Gelände des heutigen Weinguts vom Hunnenkönig Attila hingerichtet. Knapp 300 Jahre später ließ der Heilige Bonifatius eine Kapelle errichten und die ersten Reben pflanzen. Klingt sehr nach Marketingerzählung, ist aber so überliefert. Und wenn man vor Ort ist und dieses historische Ensemble aus Villa, Kapelle und Aussichtsturm, umgeben von terrassierten Weinbergen hinter alten Bruchsteinmauern sieht, dann glaubt man diese Geschichte.
Das Weingut liegt in Alzey-Weinheim, im nördlichen Teil von Rheinhessen, und wird seit 2017 von den Brüdern Christian und Martin Hannemann in dritter Generation geführt. Zwei sympathische Buben mit klarem Kopf, klarer Philosophie und einer genauso klaren Vorstellung davon, was sie von ihrer Lage wollen: Weine, die ihren Boden ins Glas transportieren. Und was für einen Boden das ist.
Denn mitten in Rheinhessen, wo eigentlich Löss und Kalk das Bild bestimmen, liegt hier etwas geologisch Außergewöhnliches: der Heilige Blutberg, die Monopollage der Hannemanns, ist von Melaphyr durchzogen. Schwarzes Vulkangestein, dunkel, karg, wärmespeichernd – und für Rheinhessen eine absolute Rarität. Melaphyr ist eine Form des Rotliegenden, vulkanischen Ursprungs, und zählt zu den prägendsten Bodenformationen, die man im deutschen Weinbau finden kann.
Dass Christian Hannemann genau weiß, was solche Böden können, ist kein Zufall. Sein Vorpraktikum hat er in Siefersheim gemacht. Bei - tada - Daniel Wagner.
Der Stil des Weinguts ist bewusst positioniert zwischen Low-Intervention und Tradition – kein radikaler Naturwein-Purismus, aber auch keine konventionelle Kellertechnik. Im Fokus stehen drei Rebsorten, die perfekter zu dieser Region kaum passen könnten: Riesling, Silvaner und die in Alzey gekreuzte Scheurebe. Alles Charakterrebsorten, die auf diesen Vulkanböden eine Tiefe entwickeln, die man so in Rheinhessen nicht erwartet. Wahrscheinlich auch einer der Gründe dafür, dass der Grauburgunder der Jungs seit vielen Jahren der meistverkaufte Wein bei uns ist.