Domaine Lagille
Vincent Lagille in Treslon — Champagner-Familie seit dem 17. Jahrhundert, exklusiv für Privatkunden. Tuffstein statt Kreidefels, 7,2 ha biologisch, Pferde und Schafe in den Weinbergen, Barriques aus eigener Eiche. Erdig, eigenwillig, kompromisslos.

In Treslon, irgendwo westlich von Reims, genau da, wo das Vallée de l'Ardre anfängt uninteressant zu werden, liegt die Domaine Lagille. Kein Grand Cru, kein klingender Name, keine große Geschichte. Der Boden hier ist kein Champagner-Lehrbuch-Boden. Kein karger Kreidefels, kein Blanc-de-Blancs-Fundament, sondern Tuffeau, im Deutschen Tuffstein. Eine poröse, sandreiche Form des Kalkgesteins, die man eigentlich aus dem Loire-Tal kennt, nicht aus der Champagne. Die tonhaltigen Deckschichten sorgen für eine Mineralität, die sich von allem unterscheidet, was weiter östlich wächst. Eigenwillig, erdig, tief.
Seit dem 17. Jahrhundert baut die Familie Lagille in dieser Gegend Wein an. Seit 1818 in Treslon. Was das bedeutet, kann man sich ungefähr so vorstellen: Während draußen Revolutionen stattfanden, Imperien kamen und gingen und die Welt sich mehrfach neu erfand, haben die Lagilles Trauben gelesen und Champagner gemacht. Ausschließlich für Privatkunden. Kein Export, kein B2B, kein gar nichts. Dann kam Vincent.
Er übernahm 2017, beobachtete seine Weinberge fast schon autistisch und machte eine Bodenfortbildung. Sein Ansatz ist radikal unspektakulär: 7,2 Hektar, fast alles fußläufig vom Weingut. In den Weinbergen laufen Pferde, Schafe und Hühner umher. Das Weingut befindet sich seit 2019 in biologischer Umstellung, da Vincent der Meinung ist, dass Terroir-Ausdruck ohne funktionierendes Ökosystem schlicht nicht funktioniert. Selbst die Barriques werden aus Eichen der eigenen Familienländereien gefertigt. Vincent denkt seine Auffassung des Terroir-Begriffs konsequent bis ins Holz - Boden, Mikroklima, Reben, Winzer, Fass. Alles aus Treslon. Alles miteinander verbunden. Das klingt nach Konzept, ist für Vincent aber einfach der Standard. Übrigens erzieht er alle seine Reben im Cordon-Royat-Stil, eine Erziehungsform, die man normalerweise ausschließlich in Grand-Cru-Lagen findet.