Griesel & Compagnie

Das Sekthaus von der Hessischen Bergstraße ist aus dem Bereich der Top-Schaumweinproduzenten nicht mehr wegzudenken. Hier entstehen unter akribischster Handarbeit Sekte, die auch international für Aufmerksamkeit sorgen. Niko Brandner schreibt flüssige Sektgeschichte.

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Griesel & Compagnie

Hessische Bergstraße — eine der kleinsten und am häufigsten unterschätzten Anbauregionen Deutschlands. Genau dort, in Bensheim, sitzt eines der spannendsten Sekthäuser des Landes.

Das Gebäude wurde 1904 vom Großherzog von Hessen-Darmstadt errichtet, gehörte jahrzehntelang den Hessischen Staatsweingütern (Domaine Bergstraße), und steht heute mit seinem historischen Gewölbekeller exakt da, wo es immer hingehörte: in den Händen von Leuten, die wissen, was man damit anfangen kann. 2013 haben Petra Grießel-Streit und Jürgen Streit die Liegenschaft übernommen und Griesel & Compagnie gegründet. Sie haben sich aus dem Keller rausgehalten — und stattdessen den richtigen Mann gefunden. Niko Brandner, Kellermeister. Quereinsteiger aus der Finanzwelt, Weinbau-Studium in Neustadt, Stationen bei Paul Fürst in Franken und Volker Raumland in Rheinhessen. Innerhalb von fünf Jahren hat er Griesel an die Spitze deutscher Sektmacher geführt — heute wird er in einem Atemzug mit Raumland und Mathieu Kauffmann genannt. Also mit dem, was deutscher Spitzensekt überhaupt zu bieten hat.

30 Hektar Rebfläche, rund 120.000 Flaschen Produktion im Jahr. Chardonnay, Weißburgunder, Riesling, Spätburgunder, Pinot Meunier — der komplette Sortenspiegel für seriöse Schaumweine. Grundweine spontan vergoren in neuen und gebrauchten Barriques, mindestens 16 Monate auf der Vollhefe, komplett ohne Schwefelzugabe. Das ist Stillweinausbau, bevor überhaupt die zweite Gärung beginnt.

Die Linienarchitektur ist klar gegliedert: Tradition als zugänglicher Einstieg, Prestige als Herzstück (Extra Brut und Brut Nature, kleinere Mengen, längere Reife), Exquisit als Spitze mit besonders langer Hefelage und die Grande Cuvée als Krönung — Jahrgangssekt nach französischem Vorbild. Dazu Réserve-Cuvées aus besonderen Jahrgängen und eine Réserve Perpétuelle, in der die Reserveweine wie in einer Solera Jahr für Jahr weitergeführt werden.

Méthode Traditionnelle ohne Abkürzungen — Handlese, sanfte Pressung, Spontanvergärung, natürliche Klärung. Hefelagerung: bei Tradition mindestens 16 Monate, bei Prestige 24, bei Grande Cuvée über 40.

Griesel beweist, dass deutscher Sekt nicht im Schatten der Champagne stehen muss. Sondern direkt daneben.