Herkunft
Die Familie Haart macht seit 1337 Wein in Piesport und gehört damit zu den ältesten Winzerfamilien der Mosel. Julian selbst hat trotzdem einen Umweg genommen: Erst stand er als Koch in der Küche, dann wechselte er die Seite und lernte bei Emrich-Schönleber, Egon Müller und Klaus Peter Keller. 2010 kam er zurück nach Piesport und gründete sein eigenes Weingut, angefangen mit knapp 8.000 Quadratmetern im Wintricher Ohligsberg.
Seitdem führt er es mit seiner Frau Nadine, und die beiden haben nie den Fokus verloren. Die Fläche ist mit fünf Hektar an der Mosel bewusst klein geblieben, gerade so groß, dass sie sie selbst bewirtschaften können. Steigt die Nachfrage, wird nicht einfach mehr Wein gemacht. Heute ist Julian eine der gefragtesten Adressen der Mosel und hat mit seinen Kabinetten eine neue Kabi-Ära mit angestoßen. Max Kilburg hat übrigens bei ihm gelernt.
Lagen und Böden
Alles Steillage, alles Handarbeit, zum Teil mit Reben über 100 Jahre alt. Den Großteil machen zwei Große Lagen aus. Das Piesporter Goldtröpfchen liegt wie ein Amphitheater in der Moselschleife, von Südost bis Südwest ausgerichtet, auf tiefgründigem, stark verwittertem dunklem Devonschiefer mit Quarz. Schon die Römer haben hier 371 Wein angebaut. Der Wintricher Ohligsberg ist überwiegend nach Westen ausgerichtet, graublauer Schiefer mit Quarzitadern, und seine Weine wurden 1922 beim Festbankett der Nobelpreisverleihung serviert. Dazu kommen kleine Parzellen im Wintricher Herrgott sowie in Nieder-Flörsheim und Mölsheim in Rheinhessen.
Stil
Schnörkellos, ertragsreduziert, feingliedrig und tief. Die Rieslinge leben von lebendiger Säure und feiner Mineralität. Der Piesporter Ortswein etwa gärt spontan und bleibt lange auf der Hefe, ohne jede Kosmetik. Die Kabinette und Spätlesen haben eine Balance, die man an der Mosel selten so findet: wenig Alkohol, viel Spannung und nichts, hinter dem sich ein Fehler verstecken könnte. Und das gilt schon für die Gutsweine.